10 Fehlinterpretierte Lehren des Jesus von Nazareth

10 Fehlinterpretierte Lehren des Jesus von Nazareth

Jesus von Nazareth

Jesus von Nazareth ist zweifellos die bekannteste Figur der westlichen Zivilisation. Das Christentum als Religion wird von einem Drittel der Menschheit angenommen, das auf seinem Leben und seinen weisen Lektionen basiert.

Dies an sich ist eine erstaunliche Leistung, denn die Lehren Jesu dauerten nur etwa drei Jahre vor seinem Tod, und doch wurde in dieser kurzen Zeit eine riesige Welt aus Wahrheit, Mythos, Legende und Aberglaube um ihn herum aufgebaut.

Auch wenn Christen einen bestimmten Satz von Überzeugungen teilen, die sie für ihren Glauben als wesentlich erachten, gibt es beim Studium der Bibel ein breites Spektrum an Interpretationen und Meinungen.

Zum Beispiel gibt es etwa 30 große christliche Glaubensbekenntnisse oder Interpretationen (von katholischen rituellen Ideen bis hin zu amischen Selbstverleugnungsvorstellungen), und in jeder von ihnen gibt es eine endlose Anzahl von Kirchen mit untergeordneten Glaubensrichtungen.

Hier sind einige meiner eigenen Interpretationen seiner Lehren. Ich behaupte nicht, dass sie wahr sind, aber für diejenigen, die sich auf einer ähnlichen Reise befinden könnten, können sie ein tieferes Verständnis bieten. (1)

Hier sind 10 Fehlinterpretierte Lehren des Jesus von Nazareth

1. Matthäus 6,33

Setzt euch zuerst für Gottes Reich ein und dafür, dass sein Wille geschieht. Dann wird er euch mit allem anderen versorgen – Matthäus 6,33

Die ersten 30 Jahre des Lebens Jesu waren historisch ereignislos, bis der Moment kam, in dem plötzlich etwas in ihm erwachte, um seinen Dienst zu verrichten. Endlich hatte er gefunden, wonach er gesucht hatte, und er wollte es mit anderen teilen.

Diese Aussage verkörpert perfekt den erwachenden Schrei von jemandem, der mit seiner wahren Natur, seiner eigenen Authentizität in Berührung gekommen ist, jemandem, der seinem spirituellen Verlangen lauschte, etwas Höheres als sich selbst zu finden.

Der Anfang dieses Abschnitts ist sehr wichtig. Um sich selbst zu transformieren, musst du dem, was du tust, Priorität einräumen. Dein Leben wird zu einem Spiegelbild dessen, was du “suchst”.

Wenn Geld, Beziehungen, Sex, Status oder Macht dein “Gott” sind, dann wird dein Leben nur so erfüllend werden wie die Tiefe dessen, was du verfolgst.

2. Matthäus 5,3

Glücklich sind, die erkennen, wie arm sie vor Gott sind, denn ihnen gehört sein himmlisches Reich Matthäus 5,3

“Arm vor Gott” wurde oft als eine falsche Frömmigkeit interpretiert, die entweder durch die Armut der Persönlichkeit oder durch materiellen Reichtum kultiviert wurde.

Arm vor Gott kann als Mangel an “Stolz”, an Egoismus verstanden werden. Zu voll von uns selbst zu sein, von der Notwendigkeit, Recht zu haben, von unserem arroganten “Wissen” und unseren Vermutungen über uns selbst, andere und die Welt, ist eines der größten Hindernisse für das Wachstum unserer Wesen.

Es gibt keinen Platz, um etwas Neues zu lernen.

3. Matthäus 5,6

Glücklich sind, die Hunger und Durst nach Gerechtigkeit haben, denn sie sollen satt werden – Matthäus 5,6

“Gerechtigkeit” ist ein Wort, das mir besonders missfällt. Es hat im Laufe der Zeit im Namen von Politik und Religion so viel Zerstörung verursacht. Selbst in der Psychologie gilt “Selbstgerechtigkeit” als hartnäckiges Verhalten und Arroganz, die Beziehungen korrodiert (Synonym für Egoismus).

Allerdings hatte die Gerechtigkeit ursprünglich die positive Bedeutung, “echt” oder “ausgezeichnet” zu sein.

Es kommt aus dem alt-englischen (das sie zur Übersetzung der Bibel verwendeten) Wort: “rechtschaffen”, was bedeutet, sowohl vertrauenswürdig als auch weise zu sein.

Diese Aussage kann übersetzt werden als: Einen tiefen Antrieb und das Verlangen vor allem nach wahrer Weisheit zu haben, die dich mit viel Freude segnen wird.

3. Matthäus 5,7

Glücklich sind, die Barmherzigkeit üben, denn sie werden Barmherzigkeit erfahren – Matthäus 5,7

Obwohl dies normalerweise als eine Lektion in einfacher ‘Vergebung‘ angesehen wird, geht es viel tiefer als das.

Vergebung ist für viele Menschen nur eine pflichtbewusste Aufgabe, um fromm zu erscheinen oder in den Himmel zu kommen. Doch demjenigen, der zu seiner wahren Natur erwacht ist, wird die Tiefe der Verbundenheit bewusst, die im Leben existiert.

An diesem Punkt entsteht das Mitgefühl, wenn man weiß, dass diejenigen, die die Wahrheit oder Gott nicht erfahren haben, immer noch als Sklaven ihrer Gefühle (Wut, Eifersucht, Lust usw.), Gedanken (Traumata, Glauben, Ideale usw.) und reaktiven Naturen sind und sich von allem um sie herum getrennt wahrnehmen.

Indem wir Barmherzigkeit geben, befreien wir nicht nur andere von den Etiketten, die wir für andere geschaffen haben, sondern wir befreien uns selbst von all den emotionalen Bindungen, die wir als die schwere innere Energie, bekannt als ‘Hass’, mit uns herumtragen.

5 & 6. Matthäus 5,10 & 5,11

Glücklich sind, die verfolgt werden, weil sie nach Gottes Willen leben; denn ihnen gehört sein himmlisches Reich – Matthäus 5,10

Glücklich könnt ihr euch schätzen, wenn ihr verachtet, verfolgt und verleumdet werdet, weil ihr mir nachfolgt – Matthäus 5,11

In diesen beiden Sätzen beschrieb Jesus perfekt den ewigen Kampf des aufrichtig spirituell Suchenden. Der Kampf, ein sozialer Außenseiter, ein einsamer Wolf zu werden.

Diejenigen, die danach streben, sich zu verändern, sich zu verwandeln und sich zu verbessern, werden ständig gegen die ganze Welt, das soziale Kollektiv und sogar gegen ihre Familien kämpfen müssen.

Sich zu bemühen, sich bewusst und frei von den mentalen Ketten von Überzeugungen, sozialen Werten und materialistischen Wünschen zu sein, wird dich der Masse der Menschen, die noch angekettet sind, verrückt oder hochgefährlich erscheinen lassen.

Historisch gesehen sind wir uns dieser Muster sehr wohl bewusst und halten sie zum Beispiel als gängige Redewendungen aufrecht: “Ein Prophet wird in seinem eigenen Land nie anerkannt” oder “Ein Genie wird nie anerkannt, solange er lebt”.

7. Matthäus 7,5

Du Heuchler! Entferne zuerst den Balken aus deinem Auge, dann kannst du klar sehen, um auch den Splitter aus dem Auge deines Mitmenschen zu ziehen – Matthäus 7,5

Als Mann von immenser Einsicht nahm Jesus in diesem Vers die psychologische Idee der “Projektion” vorweg. Mit unserem Urteilsvermögen, unserem Hass oder dem Mangel an innerem Frieden nehmen wir dieselben Elemente in den Menschen um uns herum wahr, die unsere Wahrnehmung nicht teilen.

8. Matthäus 16,25-26

Denn wer sich an sein Leben klammert, der wird es verlieren. Wer aber sein Leben für mich aufgibt, der wird es für immer gewinnen. Was hat ein Mensch denn davon, wenn ihm die ganze Welt zufällt, er selbst dabei aber seine Seele verliert? Er kann sie ja nicht wieder zurückkaufen! – Matthäus 16,25-26

Es gibt eine sich selbst erhaltende Natur in uns allen, eine individualistische Identität, die psychologisch als unser ‘Ego’ bekannt ist. Sie versucht, seine Existenz zu schützen, auf Kosten der Verweigerung der Fähigkeit, unsere Seele zu erfahren.

Unser Ego täuscht uns in der Annahme, dass das “Leben erlangen” bedeutet, äußere Dinge wie Besitz, Macht, Status oder Vergnügen anzusammeln.

Unser Leben zu ‘verlieren’ bedeutet in diesem Sinne, diese falsche Realität zu verlieren, diesen Traum, den wir davon geschaffen haben, wer wir zu sein glauben und woher wir glauben, zu kommen.

9. Lukas 14,26

  • Wenn einer mit mir gehen will, so muss ich für ihn wichtiger sein als seine Eltern (Eigentlich: Wenn einer mir nachfolgen will und hasst nicht seinen Vater und seine Mutter), seine Frau, seine Kinder, seine Geschwister, ja wichtiger als das eigene Leben. Sonst kann er nicht mein Jünger sein – Lukas 14,26

Jesus war ein intensiver Mensch, wie wir in biblischen Berichten wie der Geschichte der “Reinigung des Tempels” deutlich sehen können. Er war ein Mann, der in seiner Suche nach der Wahrheit radikal kompromisslos war, und er erwartete nicht weniger von seinen Jüngern.

Die Suche nach der Wahrheit über alles zu stellen, war ein wesentlicher Bestandteil, um ein aufrichtiger Sucher zu sein. Den Vater, die Mutter usw. “zu hassen” war eine Metapher dafür, alles unter die Absicht zu stellen, bewusst zu sein, um zu deinem höheren göttlichen Selbst zu erwachen.

Oberflächlich mag es wie ein egoistischer Akt klingen, die Suche nach Wahrheit und Befreiung über die Familie zu stellen, aber tief im Inneren ist es ein Akt reiner Selbstliebe. Um jemandem helfen zu können, musst du zuerst in der Lage sein, dir selbst zu helfen.

Sich aus der Versklavung durch deine Gedanken und Emotionen zu befreien, wird dich in eine Person verwandeln, die zentriert ist und inneren Frieden erfährt, um anderen zu helfen. Ohne sich selbst zuerst zu helfen, lebst du ein egoistisches Leben, in dem du deinem ‘Stolz’ oder egoistischen Wünschen nachgibst.

10. Lukas 17,21

Niemand wird sagen können: ›Hier ist es!‹ oder ›Dort ist es!‹ Denn Gottes Reich ist schon jetzt da – mitten unter euch – Lukas 17,21

Mit diesen wenigen Worten versuchte Jesus, das zeitlose Problem zu lösen, dem viele spirituell Suchende begegnen. Die Vorstellung, dass Gott, der Himmel oder die Göttlichkeit ein äußerer Ort oder eine äußere Einheit ist.

“Weder sollen sie sagen: Siehe da, noch dort!” Glaube niemandem, der dir sagt, du sollst hier oder dort suchen, denn der einzige Weg, wie du Gott finden kannst, ist im Inneren, durch Selbsterforschung, durch die Erforschung deines Herzens und deiner Seele.


Der Kern jeder Religion sind Lektionen, die dir helfen, ein besserer und weiser Mensch zu werden.

Es ist wichtig, unsere Interpretationen nicht durch das Verständnis anderer zu verfälschen und nur das auf unser Leben anzuwenden, was für unsere eigene Erfahrung wahr klingt. Diese Lehren von Jesus (wie auch viele andere Meister), haben mir dabei geholfen, das zu erreichen.


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